KINDgerecht

 

Unfälle bei Kindern und Gefahren im Haushalt 

Unfälle sind die häufigste Todesursache bei Kindern in Deutschland. Insbesondere in einer Betreuungssituation müssen alle vorbeugenden Massnahmen ergriffen werden, die möglich sind. Menschen, in deren Obhut Kinder gegeben werden, müssen ganz besonders auf die Vermeidung von Unfällen achten. Es gibt viele Möglichkeiten Risiken und somit Gefahren im eigenen Haushalt auszuschalten und vorzubeugen. 

 

Das höchste Risiko haben Säuglinge und Kleinkinder. Der häufigste Unfallort ist der Haushalt und die unmittelbare Wohnumgebung. 

 

Risiken = Gefahr mal Wahrscheinlichkeit eines Schadens

Risikofreies Verhalten und Leben gibt es nicht. Was wir tun können, ist die Wahrscheinlichkeit des Schadens zu minimieren. Für Kinder können wir jedoch auch die Risiken durch Ausschalten verringern. Insgesamt sollten Kinder befähigt werden, eine gute Risikoeinschätzung zu entwickeln. Das heißt: Gefahren zu erkennen und die Wahrscheinlichkeit des Schadens einzuschätzen. Die Selbsteinschätzung beim Umgang mit Risiken spielt eine große Rolle und sollte vorsichtig geübt werden. 

 

Risiken können auf verschiedene Arten minimiert werden durch: 

 

Identifizierung der Gefahren

Identifizieren der Wahrscheinlichkeiten

Vorbeugung

Vorbereitung geeigneter Massnahmen im Fall der Fälle

 

 

 

Alter der Kinder & Risiken

   

Vorbeugung

   

 Massnahmen

0-6 Monate        

Stürze: vom Wickeltisch, vom Sessel, aus der Babyschale oder mit der Babyschale, vom Bett etc.

 

Wickeltisch sichern: Große Wickelfläche, hohe Ränder, niemals die Kinder unbeaufsichtigt irgendwo ablegen, auch die Babyschale kann mit dem Kind stürzen wenn das Kind die Schale bewegt, durch zum Beispiel Strampeln. 

 

Immer Hand am Kind! 

 

In der Babyschale die Kinder anschnallen und die Babyschalen nur auf dem Boden abstellen.

 

Die Wickelutensilien so bereit legen, dass das Kind unter ständiger Beaufsichtigung steht. 

 

Den Boden um den Wickelplatz mit einem weichen Teppich sichern 

 

Stürze- auch aus kleinen Höhen- können für Kinder lebensbedrohlich sein. Auch wenn es scheint als wenn die Kinder sich nach einem Kopfsturz gut erholt haben, kann es verspätete Schäden geben. Bitte IMMER die Eltern informieren und das Kind gut auf ungewöhnliches oder auffälliges Verhalten beobachten. Lieber einmal zu häufig einen Arzt aufsuchen als einmal zu wenig

Ersticken oder Strangulieren: 

Alle Fäden, Seile oder auch Verschlussbänder von Mützen, Jacken oä.können unter Umständen zur Selbststrangulation führen. 

Kinder versuchen Dinge in den Mund zu stecken und Verschlucken diese zum Beispiel (Geschwister)spielzeugteile aber auch NÜSSE! oder Geld oä.

Natürlich sind in dieser Reihe auch Plastiktüten zu nennen.

 

Akribisch Kleinstteile aussortieren oder das kleine Kind nicht unbeaufsichtigt in Bereiche lassen, in denen es Kleinstteile verschlucken kann. Hierzu gehören auch herumliegendes Geld, Nähzeug usw. 

Bänder und Fäden etc. sind kein Spielzeug und sollten mit Vorsicht verwendet werden. 

Ein großes Risiko stellen runde, glatte Gegenstände dar. Sie können auch operativ nur sehr sehr schwer entfernt werden. 

 

Fremdkörper Apsiration

Oft setzt plötzlich nur ein kleiner Reizhusten ein oder die Kinder können nicht mehr 'sprechen' oder Abhusten. Offensichtlicher ist das Auftreten von Luftnot.

Auch die Atmung kann umgekehrt erfolgen. Das heißt, der Brustkorb zieht sich bei der Einatmung zusammen. 

 

Bei JEDEM Verdacht auf eine Fremdkörper-Aspiration immer einen Arzt aufsuchen. 

 

7-12 Monate        

Zusätzlich zu den oben genannten Risiken können Kinder in diesem Alter Treppen herunter stürzen oder kippt mit dem Hochstuhl um oder stürzt aus dem Hochstuhl. Aber auch Stolperfallen wie Stromkabel oä. können zu Stürzen führen.

 

Alle Dinge die Giftig für das Kind wirken können, sollten aus dem Weg geräumt werden. Alle Putzmittel und Medikamente müssen in einem abgeschlossenen Bereich aufbwahrt werden! 

 

Gefährlich sind Zigarettenfilter zum Beispiel auf Spielplätzen und in Sandkästen oder auch wenn sie in den Garten geraten sind. 

 

Alle Elekotrogeräte und Steckdosen sichern!

 

Kippsichere und getestete Hochstühle verwenden. 

Die Kinder in den Hochstühlen so sichern, dass sie weder aus dem Stuhl herausrutschen oder sich herauswinden können noch sich mit den Beinen so abstoßen, dass der Stuhl samt Kind umstürzt.

Treppen durch Gitter sichern.

Einen schönen Laufstall einrichten, in dem sich das Kind zuhause fühlt. Dies ist eine bessere Alternative als das Kind in sein Gitterbett zu setzen. Das Bett sollte aus pädagogischen Gründen nur zum Schlafen benutzt werden.

 

Risiken und Gefahren identifizieren. Alle Risikoquellen im Aufenthaltsbereich des Kindes sichern oder entfernen. Auch ein Tischtuch kann inklusive Inhalt herunter gezogen werden! 

Schränke und scheinbar schwere unverrückbare Regale können unter Umständen auch von einem Kind ins Wackeln gebracht werden. Im Unglücksfall fallen schwere Gegenstände, die sich oben auf dem Möbelstück befanden, auf das Kind. 

Kindersicherung für alle Steckdosen! Elektrogeräte nach Gebrauch ausstecken und möglichst wegräumen. 

Installieren Sie gegebenenfalls nachträglich Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schutzschalter), die sehr schnell und bereits bei kleinsten Fehlerströmen den überwachten Stromkreis ausschalten.

 

 

Immer Ruhe bewahren. Hektik und Panik behindern nicht nur Erste Hilfe Massnahmen, sondern erschrecken das Kind zusätzlich und führen zu kontraproduktivem Weinen oder Abwehrreaktionen.  Beim normalen Verschlucken während des Trinkens oder Essens entsteht meist ein starker Hustenreiz, der genügend Druck entwickelt, um den Fremdkörper aus der Luftröhre zu befördern.

 

Lässt sich der Fremdkörper so nicht entfernen, sollten die Helfer versuchen, über mehrere, bis zu fünf Stöße beziehungsweise Schläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter, den aspirierten Gegenstand zu lösen. Säuglinge legt man dazu am besten auf den Schoß mit dem Bauch nach unten und nach vorn abgesenktem Kopf und Oberkörper. Ältere Kinder  kann man mit dem Oberkörper nach unten lagern (zum Beispiel über einen Stuhl).

 

Eine weitere Möglichkeit, den Fremdkörper aus den Luftwegen zu pressen, ist der Heimlich-Handgriff. Dabei umfasst die helfende Person den Betroffenen von hinten und übt mit beiden Händen einen ruckartigen Druck in der Magengrube, etwas oberhalb des Nabels aus. Dadurch steigt der Druck in den Lungen sowie der Luftröhre, sodass er den Fremdkörper herausschleudert.

Bei Säuglingen sollte der Helfer, den Druck nicht auf den Bauch, sondern auf den Brustkorb ausüben.

 Wenn es Verbotszonen oder -Räume gibt, sollten diese auch konsequent verschlossen oder unerreichbar sein. 

Immer an die Bewegungsmöglichkeiten des Kindes denken und bei

jedem Aufenthaltsort des Kindes nachdenken, ob ein Risiko zu eliminieren ist. 

 

Massnahmen bei Kopfverletzungen siehe Säuglinge

 

Mit Kindern häufig das Treppensteigen üben! Kinder sollten immer mit dem Bauch zur Treppe die Treppen herunter und herauf steigen.

12- 24 Monate       

Neben Sturzunfällen beim Klettern und wie oben beschrieben, ist das Risiko des Ertrinkens, Verbrühen oder Verbrennens erhöht. 

 

In diesem Alter können bereits hochliegende Berreiche erreicht werden. Kinder klettern und steigen auf alles was sich bietet um an höher gelegene Fenstergriffe oder ähnliches zu gelangen oder über die Gitterstäbe zu klettern.  

 

Vergiftungen durch Alkohol, Chemikalien, Putzmittel, Nagellackentferner, Knopfzellen usw.

 

Ertrinken in Pfützen, Wasserkübeln, kleinen Gartenteichen, Planschbecken, Badewannen usw. Eine Wassertiefe von wenigen Zentimetern reicht aus, wenn das Kind mit dem Gesicht in das Wasser fällt.

 

Feuer in allen Formen unerreichbar für Kinder aufbewahren.

 

 

 

Spätestens ab dem 'Hochziehalter', sollten keine Töpfe unbeaufsichtigt auf dem Herd stehen! Zusätzlich mmer die Griffe nach hinten drehen. Besser noch ist eine Herdsicherung. Schränke, Schubladen und der Kühlschrank können einfach und schnell gesichert werden.  Aber auch scharfe Kanten sollten entfernt werden. 

 

Alle giftigen Pflanzen im Garten entfernen.

Achtung: Chemikalienreste, Medikamente oä können von den Kindern auch im Abfall entdeckt werden!

Bei Besuch, diesen instruieren und darum bitten alle Risikogegenstände abgeschlossen zu verwahren.

Achtung auch bei Handwerkern.

Ertrinken: 

Alle Wassertonnen, Planschbecken usw. ausleeren oder sichern. Durch festverschlossene Deckel oder hohe Zäune. Niemals Kinder am oder im Wasser unbeaufsichtigt Baden oder Spielen lassen

Ertrinken kann unter einer Minute dauern!!!

 

 

 

 

Im Falle des Verbrühens oder Verbrennens 

 

Im Falle des Verzehrs von giftigen Pflanzen oä immer Pflanzenreste, Medikamente usw aufheben. Den Kindern in kleinen Schlucken Wasser, Tee oder Saft (NIEMALS MILCH) zu trinken geben und die Giftnotrufzentrale informieren. Die Nummer sollte im Notfallplan direkt neben dem Telefon liegen. 

 

Verbrühung/Verbrennung:

Alle Kleider in der verbrannten/verbrühten Region entfernen. Bei großflächigen Bereichen das Kind ganz entkleiden und in die Dusche stellen. Mindestens 20 Minuten mit kühlem Wasser abduschen (kühl ist nicht EISKALT. ca. 20 Grad. Leitungswasser kommt meist mit ca. 8-10 Grad aus der Leitung, je nach Leitung und Jahreszeit) 

Dann in saubere Tücher (zum Beispiel Bettlaken oder Bettbezüge) wickeln. Bei kleineren Verbrennungen Verbände anlegen. 

NIE Brandsalben oder ähnliches auftragen! Das kann alles später überlegt oder angewendet werden. An erster Stelle steht KÜHLEN (nicht mit EIS!)in ausreichender Dauer!!! und ein Arztbesuch zur Abklärung

 

Ertrinken:

Sofort mit der Wiederbelebung beginnen!

Fremkörper aus dem Mund entfernen, Kopf nach hinten beugen und über Mund und Nase beatmen. Bei allen Kinderbeatmungen vorsichtig beatmen das heißt vorsichtige Atemstöße. 

30 x Herzdruck und 2 Atemstöße

 

 

        

 

 

 

 

Hintergründe:

Viele Unfäll können durch geeignete Massnahmen verhindert werden. Es wird von der Möglichkeit der Vermeidung von ca. 12000 tödlichen Unfällen in Europa im Kindesalter ausgegangen. 

 

 

 

Epidemiologische Analyse von Unf llen bei Kindern

unter 15 Jahren in Deutschland –

G. Ells ßer Ausgangspunkt f r die Unfallpr vention

Ells ßer G. Epidemiologische Analyse von … Gesundheitswesen 2006; 68: 421 – 428

 

 

Das h chste Risiko, an den Folgen eines Unfalls zu sterben, haben

seit Jahren S uglinge und kleine Kinder. Der h ufigste Unfallort in

dieser Altersgruppe ist das Zuhause und die unmittelbare Wohnumgebung (z. B. Ertrinken im Gartenteich). F r Sch ler ist es der

Straßenverkehr (Abb. 2). Die f nf h ufigsten Todesursachen (Ersticken, Ertrinken, Wohnungsbr nde, St rze, Straßenverkehr) sind

entsprechend der Entwicklung des Kindes und seinem zunehmenden Aktionsradius altersbezogen unterschiedlich. Ersticken und

St rze sind die beiden h ufigsten t dlichen Unfallursachen im

S uglingsalter, w hrend im Kleinkindalter das Ertrinken an erster

Stelle steht, gefolgt von t dlichen Unf llen durch Wohnungsbr nde (Tab.1). Erst im Grundschulalter sind t dliche Unf lle im Stra-

ßenverkehr als Fußg nger oder PKW-Insasse am h ufigsten und

ab dem Alter von 10 Jahren solche mit dem Fahrrad. W hrend in

der Schule kaum t dliche Unf lle vorkommen, sieht dies f r den

Straßenverkehr v llig anders aus [21]

 

 

Verletzte Kinder mit schweren Verletzungen, d.h. im

Krankenhaus behandelte Kinder [22]

Seit 1993 sind Unfallverletzungen der zweith ufigste Einweisungsgrund in ein Krankenhaus im Kleinkindalter und der h ufigste Einweisungsgrund im Schulalter [22, 23]. 2004 mussten insgesamt 207 995 Kinder unter 15 Jahren wegen einer schweren

Verletzung im Krankenhaus station r behandelt werden. Die Verletzungsfolgen sind altersspezifisch. W hrend Vergiftungen und

Verbrennungen typische Verletzungen im Kleinkindalter sind, dominieren im Schulalter Knochenbr che aufgrund von Sturzverletzungen im Zusammenhang mit Freizeitaktivit ten [12, 23].

Bei einem Vergleich der Altersgruppen f llt auf, dass S uglinge

und kleine Kinder das h chste Risiko haben, an einem Unfall zu

sterben bzw. sich schwer zu verletzen. Im Gegensatz zur kontinuierlichen Abnahme der t dlichen Unf lle, haben die Unf lle

mit schweren Verletzungen bei S uglingen und kleinen Kindern seit 1993 stark zugenommen (Kinder < 1 Jahr: 2004 gegen-

ber 1993 um 53,2 %, 1- bis 5-J hrige um 23,8 %). Im Vergleich

zu den Sch lern liegt die Rate der schwer verletzten S uglinge

im Jahr 2004 um 10,9 pro 1000 Kinder h her (Abb. 3). F r den

Verkehrsbereich ist jedoch ein kontinuierlicher Abw rtstrend

erkennbar. Seit zehn Jahren nehmen die schweren Verletzungen im Verkehrsbereich (mit und ohne Todesfolge) in der Al

 

 

Verletzte Kinder und Unfallort

F r die Vermeidung von Unf llen ist nicht nur bedeutsam, Art

und Schwere der Verletzung zu kennen, sondern auch Informationen ber den Unfallort zu haben. Vergleicht man unter diesem Aspekt die verf gbaren Daten zu den Bereichen Betreuung

und Bildung, Heim und Freizeit sowie Straßenverkehr, so sind

die Betreuungs- und Bildungseinrichtungen der h ufigste Unfallort. Dies verdeutlichen folgende Daten von Kindern unter 15 Jahren f r das Jahr 2002:

– Betreuungs- und Bildungseinrichtungen: 1001664 Unf lle

[24, 25],

– Heim- und Freizeitbereich (Daten aus 2000): 571000 Unf lle

[6, 26],

– ffentliche Verkehrswege: 128110 Unf lle [25, 27],

darunter

– Schulweg: 77457 Unf lle [25],

– im Straßenverkehr: 40 653 Unf lle [27].

Das gemeindebezogene Unfallmonitoring in Delmenhorst k

 

 

 

Die epidemiologische Analyse zeigt auch, dass gerade S uglinge

und kleine Kinder eine Hochrisikogruppe sind. Der gef hrlichste Ort f r S uglinge, so die Daten des Unfallmonitorings Delmenhorst, ist der Wickeltisch. Im Gegensatz zu Schweden fehlen in Deutschland Produktinformationen f r Eltern, welche

Sicherheitsstandards ein Wickeltisch zu erf llen hat (z. B. Umrandung auf drei Seiten, Randh he von mindestens 20 cm) und

welche Hersteller diesen Sicherheitsstandard anbieten. Klinik-

rzte best tigen, dass Eltern h ufig nur eine weiche Wickelauflage benutzen und diese besonders gern auf Waschmaschinen,

Kommoden und Tischen auflegen.

Kleine Kinder verunfallen zu h ufig, indem sie von Treppen, aus

dem Kinderbett oder von Spielger ten st rzen. Auch hier gibt es

kaum gezielte Informationen seitens des Verbraucherschutzes.

Kinder rzte k nnen einen wichtigen Beitrag leisten, da sie bis

zur U7 ber 90 % der Eltern sehen [33] und die Eltern im Zusammenhang mit der Vorsorgeuntersuchung auch zur Unfallpr vention mittels Sicherheitschecklisten gezielt beraten k nnen.

 

 

 

Ein kleiner Fremdkörper, der in die tiefen Lungenabschnitte gerät, verursacht unter Umständen nur geringe Beschwerden und die Aspiration wird häufig gar nicht bemerkt. Verbleibt der Fremdkörper längere Zeit in der Lunge, kann er jedoch schwere Entzündungsreaktionen hervorrufen. Wiederholte Lungenentzündungen oder eine bleibende Schädigung der Lunge sind möglich.

 

 

 

 

 

 

 

 

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